MagnyÉthique

Gut, mehrmals schon haben wir von unseren beiden großen Projekten des Jahres gesprochen. Das erste, „Transitionride“, soll in das zweite, das „MagnyÉthique“ heißt, münden. Für alle also, die uns nicht regelmäßig sehen und nicht wissen, worum es geht, ist eine kurze Erklärung nötig!

Gleichzeitig mit unserem Umschwingen ins „no waste“ passierte eine Einsicht ins Wohnmodell: Wir fanden es total absurd, zu fünft in einem 240m²-großen Haus zu wohnen – wenn dazu andere keins haben! -, in dem wir zumindest alle Räume ein wenig heizen (ökologisches Problem aber auch ökonomisches), aufräumen und putzen mussten. Die Einsamkeit war hier auch genauso riesig wie das Haus selbst, da wir wenige zufriedenstellende Kontakte hatten und keine Hilfe, damit ich wieder arbeiten konnte… Leider müssen heute noch Mütter in Deutschland so oft auf eine Arbeit verzichten, denn eine Betreuung zu bezahlen kostet fast genau so viel wie ein Einkommen. Kindergärten, die Kinder den ganzen Tag betreuen, wollen meistens einen Arbeitsvertrag sehen, aber um einen zu unterschreiben, musste ich sicher sein, dass meine Kinder betreut werden konnten… Deswegen spielen Großeltern hier noch eine so wichtige Rolle in den ersten Jahren der Kinder. Denn sie übernehmen sehr viel, wenn die Mutter sich für ihren Beruf entschieden hat, was eine persönliche Frage ist. Leider war unsere Familie aber weit weg. Und leider bin ich zu sehr Französin, um auf ein berufliches Leben zu verzichten, das ich dazu geliebt habe. Natürlich war das große Haus ein Vorteil, da wir genug Platz hatten, um Familie und Freunde empfangen zu können. Aber die begrenzten Vorteile waren nichts gegen die alltäglichen Nachteile.

Schon seit langer Zeit waren wir sehr ökologisch eingestellt. Auch wenn nicht immer sehr bewusst, sondern eher nach familiären Gewohnheiten, strebte unser Konsum nach Vernunft und Einfachheit, um einen so geringen ökologischen Fußabdruck wie möglich auf die Umwelt zu haben (nur bio und/oder lokal, das wir entweder auf dem Markt oder in Bio- und Hofläden besorgten, und immer mehr verpackungsfrei), und wir verbesserten unser Verhalten immer wieder, Schritt für Schritt. Im Winter 2015-2016 wurde ich als Autorin für eine Reihe Schulbücher engagiert, für welche ich unter anderem für das Thema Umweltschutz zuständig war. Na sowas! Zunächst kam die deutsche famose Mülltrennung in Frage, aber ich wollte mehr und suchte nach wahrem Material. So tauchte ich in Zeitungen, Blogs, Bücher, ins Handbuch „Der kleine Weltretter“ ein. Ich lernte die NABU kennen, kontaktierte auch die pädagogischen Büros von WWF-Deutschland und Greenpeace: Dies beschleunigte signifikativ unser Bewusstwerden und unsere Initiative… bis ich irgendwann für die Bearbeitung des Themas „Wohnen“ auf eine Kika-Sendung stieß, die ein Mehrgenerationenhaus vorstellte. Damit begann unsere Suche nach so einer Wohngemeinschaft. Ziel: unseren Überzeugungen folgen, sich umgeben, um der Einsamkeit ein Ende zu geben und unser tiefes Streben nach Solidarität eine Antwort zu schenken.

Wir suchten erstmal nach deutschen Gemeinschaften. Aber außer den großen historischen Gemeinschaften wie Sieben Linden oder Schloss Tempelhof war die Suche eher erfolglos, besonders weil wir eine Gemeinschaft finden wollten, bei derer Gründung wir aktiv teilnehmen könnten. Und das in unserer Nähe, wenn möglich. Unsere Suchmaschine, Lilo, dient dazu, Geld für alternative, ökologische und solidarische Projekte zu sammeln. Eine Suche = ein Tropfen = Geld. Dadurch bekamen wir ab und zu einen Artikel über einen Ökodorf oder von einer Plattform zu lesen, die solche Projekte auflistet. Nach unglücklichen Suchen in Deutschland kamen wir also dazu, Richtung Frankreich auf jener Plattform, La Fabrique des Colibris, zu suchen. Wir lasen alle durch und markierten diejenigen, die für uns in Frage kamen: weder vegan noch für Rohköstler oder Rentner, Familien willkommen, lieber auf dem Land als in der Stadt, und nicht weiter als 2 Stunden von der französischen Familie entfernt. Im Januar 2017 schickten wir Mails. Wir bekamen relativ schnell eine Antwort vom Projekt Les Fabriqués, in der Drôme. Erste Besichtigung – ohne Kinder – zu Ostern. Erstes Treffen mit Kindern im Juli. Wir waren dabei!

Bis heute ist viel passiert, unser Projekt heißt nicht mehr Les Fabriqués in der Drôme, sondern MagnyÉthique im Beaujolais vert, nord-westlich von Lyon. „Magny“ wie der Name des Schlosses, um den das Projekt stattfinden wird. „Éthique“ denn es geht darum, unsere Gruppenwerte ins Leben zu rufen.

Und wenn ihr neugierig geworden seid, könnt ihr unsere Seite besuchen, wo das Meiste auch auf Deutsch übersetzt ist und die wir nun vor 10 Tagen offiziell gestartet haben: http://magnyethique.org. Viel Spaß beim Entdecken!

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