Gutes Gemüse, Initiative für eine solidarische Landwirtschaft

Solawi Weingarten

Wie die Zeit vergeht! Wir sind vor mittlerweile drei Wochen losgefahren, vor zehn Tagen haben wir unseren ersten WWOOF-Ort in Weingarten verlassen. Heute sind wir beim zweiten angekommen, und da ist es dann höchste Zeit, endlich den Artikel über die Solawi Weingarten zu schreiben!

Aber um ehrlich zu sein tut es einfach gut loszulassen, sich Zeit zu lassen um einmal tief durchzuatmen und zu beobachten. Der Frühling ist meiner Meinung nach die ideale Jahreszeit für eine Radreise: Wir sehen täglich die Entwicklung der Pflanzenwelt (wenige Blumen bei unserer Abfahrt, dann die Kirschbäume, bei denen die grünen Früchte die Blumen ersetzen, jetzt übernehmen Apfel- und Fliederbäume), das Aufkommen der Insekten, verschiedene Schmetterlinge Woche für Woche (nach der ersten schmetterlingsfreien Woche kamen die ersten Zitronenfalter, dann Tagpfauenaugen, nun Aurorafalter…). Einfach nur in einem kleinen Eck der Natur Platz nehmen und zusehen, wie viel Leben in einem Quadratmeter unberührter Erde steckt. Das Wetter ist nun auch freundlicher geworden als in den ersten Wochen. Das Leben ist schön.

Aber gut, ich schweife vom eigentlichen Thema WWOOF ab. Wir haben dort Hannes und seinen Freunden oder Kollegen vier Tage lang geholfen. (Am Sonntag nach unserer Ankunft wurde nicht gearbeitet, also haben wir unseren Gastgebern Ute und Klaus geholfen die Sommerküche wieder in Schuss zu bringen, da wir sie schließlich nutzen sollten). Eigentlich zu kurz um alle Fragen zu stellen, zumal Hannes und seine Familie auch erst zwei Wochen zuvor angekommen waren und noch in einer Entdeckungs- und Überlegungsphase bezüglich der Organisation der Arbeit waren. Unser Timing war von daher vielleicht nicht so gut gewählt. Und dann sind wir noch am Nachmittag nach dem Vereinsfest angekommen und am Morgen der Ernte und somit am Vortag der Ausgabe wieder gefahren. Schade, aber unsere weiteren Stationen ließen uns nicht mehr Möglichkeiten.

Trotzdem konnten wir an einigen Aufgaben des Frühlings teilnehmen: gießen in den Folientunneln, Dämme ziehen, Zwiebeln stecken, Erde für die nächste Bepflanzung lockern. Die Kinder hatten auch ihren Spaß dabei oder haben einfach frei mit den anderen Kindern gespielt.

Die Initiative „Gutes Gemüse für Weingarten“ ist 2014 gegründet worden und nutzt heute 1,6 ha Land (leider auf drei entfernte Parzellen verteilt) um gutes (wie in Mainz nicht zertifiziertes) Bio-Gemüse an siebzig Personen zu bringen. Auf Dauer sollen hier und da nicht mehr genutzte Gärten übernommen werden um sich zu vergrößern. Die Felder sind bewirtschaftet oder zwischen zwei Kulturen mit Phazelia (Bienenweide) bepflanzt, die – wie uns gesagt wurde – ideal sein soll um das Land nicht leer zu lassen, ohne diejenigen Mineralien zu nutzen, die für das Folgegemüse wichtigen sein werden.

Die ersten Jahre waren sehr holprig für dieses schöne Projekt. Zunächst gab es Schwierigkeiten einen Angestellten zu finden. Einen dann im Jahr 2015, ein weiterer für die folgenden zwei Jahre, danach niemand. Die Mitglieder haben selbst Hand angelegt und haben das Projekt selbst getragen; sie haben selbst bewirtschaftet und ihr eigenes Gemüse erzeugt. Die Mitgliederzahlen sind jedoch im Jahr darauf drastisch gesunken; die Abgänger wurden glücklicherweise durch junge Familien ersetzt, die das Mitmachen in dem Projekt interessiert. Wir hatten die Gelegenheit mit einem Mitglieder Zwiebeln zu stecken, und sie schien Spaß daran gehabt zu haben eine Stunde draußen sein zu können und ihre Kraft sinnvoll einbringen zu können.

Hannes, ausgebildeter Landwirt in Agroökologie nach Rudolf Steiner, und seine Frau Carina, die er in der Ausbildung kennengelernt hat, haben vor etwa einem Monat die Gärtnerarbeit übernommen. Ihnen wird von drei Vollangestellten, zwei Halbtagsstellen (darunter Isabel, die so ihren Job als Gartenpädagogin in den Schulen des Orts ergänzt) und einer 450€/Minijob-Stelle.

Die Vereinsregelns sind klar definiert, die Aufgaben verteilt unter den freiwilligen Helfern, die jedoch meist keine Spezialisten in der Materie sind. Zwei Verantwortliche helfen von außen, die uns besonders aufgefallen sind: eine von ihnen ist Teil der Konsenslotsen und hilft bei der Lenkung des Vereins; sie hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Entscheidungen wie bei unserem Projekt MagnyÉthique getroffen werden: per systemisches Konsensieren. Sie hat bei Besprechungen unterstützt, dann die Aufgabe des Leiters weitergegeben und hilft heute noch punktuell bei Fragen aus. Die zweite Person ist ein Mediator, der mit Gewaltfreier Kommunikation arbeitet. Der Verein greift auf sie bei großen Konflikten zurück. Anscheinend gab es mehrere davon in den letzten Jahren, und laut der Analyse einiger Betroffener auf Grund einer soziokulturellen Frage, die zu Missverständnissen bezüglich der Erwartungen oder des Ziels des einen oder des anderen geführt hat (Nutzen und Preis eines Traktor für den Landwirt zum Beispiel). Die GfK war eine wertvolle Unterstützung, damit alle einander zuhören und aus der Sackgasse zu kommen. Dass diese zwei Rollen externe Menschen anvertraut werden, ist für uns ein gutes Zeichen für unser Verständnis davon, dass eine Gruppe nur dann gut funktionieren kann, wenn alle Individuen bereit sind sich zu verbessern und gleichzeitig an dem Gesamten arbeiten. Unsere vielen Gespräche über dieses Thema gingen alle in dieselbe Richtung. Kollegen des Lenkungskreis, wir sind auf dem richtigen Weg!

Abschließend noch eine Bemerkung: zweite Solawi, zweites System mit freier finanzieller Beteiligung um die Gemüsekörbe zu erstehen. Solidarität bis ins letzte Bisschen, wie wir es schon bei der Solawi Mainz bewundert hatten. Vielleicht nähern wir uns doch einer Welt mit weniger Egoismus. Zumindest startet dies in gewissen Kreisen. Und von dort aus muss sich das nur noch ausbreiten.

Danke an Ute und Klaus für ihren Empfang und dafür, dass wir im Bauwagen/Tiny House übernachten konnten und uns somit vor der Kälte und Feuchtigkeit schützen konnten, an Susi für die sehr lehrreichen Gespräche (und für die Wäsche), an Hannes & Carina und ihre Kinder für die mit ihnen geteilten Momente (und für das „Haschtige“), an Isabel für die Beantwortung unserer Fragen! Bis bald!

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