Natur- und Tiererlebnishof Opfingen

„Hat die Blume einen Knick, war der Schmetterling zu dick!“

Biodiversität auf dem Bauernhof? Ist die Rede von industrieller Landwirtschaft, ist es natürlich nicht der Fall; auf biologischen Bauernhöfen schon eher. Aber das Wort passt perfekt zum Natur- und Erlebnishof in Opfingen! Noch besser wäre es, wenn man dazu ein Adjektiv hinzufügt, wie zum Beispiel militantistische Biodiversität. Da klingt es am genauesten!

Denn ja, Biodiversität kenne ich im Grunde genommen. Aber das, wofür die Besitzerin dort täglich kämpft, ist viel mehr! Katharina hat mitten im Dorf einen Raum geschaffen, wo seltene und alte Bauernhofrassen den wichtigsten Platz haben, und gezüchtet, geliebt, vorgestellt, geschützt und… gerettet werden! Unser siebentägiger Aufenthalt bei ihr hat uns einen Teil der Biodiversität gezeigt, von dem wir nur wenig Ahnung hatten.

Seit Jahrzehnten hat die industrielle Landwirtschaft die Rassen nach Leistung gekreuzt und gezüchtet. Jedoch ist allgemein bekannt, dass Leistung stark mit Umsatz korreliert. Deswegen gibt es Eier aus Legebatterien und Hühner, die für ihr Fleisch getötet werden, bevor sie körperlich groß genug oder ausgewachsen sind; und beide sehen in ihrem leidvollen Leben weder Wiese noch Sonne. Dies lässt sich selbstredend leider auf andere Tiere übertragen. Die Fabrikhühner wurden wieder und wieder gekreuzt, damit sie rekordverdächtige Eierlegemaschinen werden, haben aber sonst keinen anderen Nutzen. Außerdem währt ihr nutzen nur kurz, sodass sie frühzeitig geschlachtet bzw. vernichtet werden. Andere müssen so schnell wachsen, dass ihr Fleisch keinerlei Geschmack oder Biss hat, was jeden skeptisch lässt, der mal ein Hähnchen von einem Bauernhof gegessen hat. Bei solchen Praktiken, die immer weiter bekannt sind, vergeht einem doch der Appetit.

Bevor es diesen Marktwettkampf gab, wählten die Bauern meist ihre Tiere nach Nutzvielfalt: Hühner, Gänse, Enten für die Eier UND für das Fleisch; Schafe für die Wolle UND für das Fleisch UND für die Milch; und so weiter.

Da bleiben sicherlich zwei Lösungen: sich vegan ernähren oder zu einer durchdachten, respektvollen und nützlichen Tierhaltung zurückkehren. Wir haben uns seit einiger Zeit für den zweiten Ansatz entschieden, da das wenige Fleisch, das wir essen, von bestimmten Orten kommen, von denen wir die Tierhaltebedingungen kennen. Auch auf diesem Hof hat man sich für die zweite Option entschieden. Die dortigen Tiere haben mindestens einen doppelten Nutzen und wurden explizit auf Grund der Kriterien lokale Herkunft, Urrasse und Bedrohtheit ausgesucht. So hat Katharina seit etwa zehn Jahren Sundheimer-Hühner, ursprünglich aus Baden und damals vom Aussterben bedroht. Heute sind sie nur noch unter Beobachtung und daher nicht mehr gefährdet. Und dies ist zum Großteil der Verdienst von dieser kleinen Frau, die leidenschaftlich ihre Arbeit vollbringt und bei der heute bis zu vierhundert Küken pro Jahr schlüpfen, in Verbindungen und mit der Unterstützung anderer Landwirte in ihrem Umkreis. Die Hühner haben gutes Fleisch, sind gute Brüter und außerordentlich zahm und sind daher eine ideale Rasse für Lehrveranstaltungen, in denen die Besucher die Tiere berühren und streicheln können, während sie der engagierten Rede zuhören, die einen Boycott der Fabrikhühner näherlegt.

Gleicher Kampf für die Pferde dieses pädagogischen Hofs. Katharina besitzt zwei Urpferderassen von Kleinpferden, die als selten eingestuft sind und von denen andere heutige Pferderassen abstammen, wie die Araber-Pferde, nämlich die Kaspischen Kleinpferde, gerettet durch den Einsatz einer Engländerin in den achtziger Jahren, nachdem sie schon als ausgestorben eingestuft worden waren, und Amerikanische Miniaturpferde.

Ähnlich geht es im Garten weiter. Katharina besorgt sich lokale Bio-Samen und sammelt, wenn möglich, die Samen ihrer eigenen Pflanzen am Ende des Jahres ein, um sie im folgenden Jahr zu vermehren. Ihr Wissen von Heil- und Wildkräuter, die manche als „Unkraut“ bezeichnen und bekämpfen, ist ebenso groß, und sie teilt es in Seminartagen mit anderen. Wir hatten viel Spaß dabei, uns mit ihr darüber auszutauschen, welche zu pflücken und zu kochen.

Falls ihr euch jetzt noch fragt, warum es so wichtig ist, alte und lokale Rassen zu erhalten, geben wir euch noch folgende Gründe:
– Teilhabe am Schutz des genetischen Erbguts und des biologischen Bestands sowie der Biodiversität, die hart auf Grund der Massenproduktion (sowohl bei der Tierhaltung als auch im Garten) stark in Mitleidenschaft gezogen wurde;
– Zucht von angepassten Tieren bezüglich Wetter-, Futter-, Raubtier- und Krankheitsbedingungen;
– Mehrfachnutzung von einer Tierrasse.

Damit die Wahl der Hühner beim nächsten Mal nach dieser Überlegung leichter wird, kann man sich entweder auf der französischen Seite https://www.poules-racesdefrance.fr/les-races/ oder dem deutschen Pendant http://www.g-e-h.de/index.php/die-geh1/rote-liste2 informieren.

Étape 17 — Etappe 17

Neuf-Brisach — Opfingen: 19km — retour en Allemagne // Rückkehr nach Deutschland,
– incl. 100m de dénivelé sur 2km pour avoir une vue époustouflante à l’Ouest sur les Monts d’Alsace, à l’Est sur la forêt noire avec en contre-bas la ville de Fribourg à nos pieds // mit 100m Steigung auf 2km und als Belohnung ein atemberaubender Blick auf die Berge des Elsass im Westen, die des Schwarzwaldes im Osten und zu unseren Füßen die Stadt Freiburg
– arrivés à Opfingen, les enfants étaient récompensés par une chasse aux oeufs (merci au lapin Frederik pour sa générosité) // in Opfingen wurden die Kinder mit einer Eiersuche empfangen (Dank an Frederik für seine Großzügigkeit)