Kommunität Beuggen

Vor unserer Abfahrt hatten wir schon einen Umweg über den Bodensee vor und auf dem Weg dahin die Kommunität Beuggen angeschrieben, um sie besuchen zu dürfen. Die Kommunität besteht schon seit 13 Jahren. Wir hatten gehofft, mehr über ihre Genese und ihre alltägliche Organisation zu erfahren und selbst bei einer wegen katastrophaler Wettervorhersage frühzeitiger Abfahrt hat sich unser Besuch auf jeden Fall gelohnt!

Viel müsste gesagt werden, um vollständig zu sein (unser Bericht an den MagnyÉth’ ist 12 Seiten lang), aber hier will ich das hervorheben, was uns am meisten interessiert und überzeugt hat: die Solidarität aber auch und ganz besonders das gemeinsame Ziel, das als feste Basis eines Strebens nach Zusammenhalt fungiert.

Fangen wir mit der Solidarität an:

– Damit selbst ein Haushalt ohne Anfangskapital zu der Kommunität gehören kann, haben ihre Mitglieder ein System untereinander entwickelt, bei dem diejenige die mehr besitzen, denjenigen, die das nötig haben, privat Geld ausleihen.

– Einige Kosten werden für soziale Fairness je nach Einkommen geteilt.

– Die Mitglieder teilen sich natürlich den Wohnort, aber sie organisieren auch den gemeinsamen Einkauf der Lebensmittel bei biologischen Landwirten und Geschäften, damit alle von der biologischen Nahrungsqualität zu kleinen Preisen profitieren können, was große Einkäufe erlauben.

– Gäste wie wir zahlen den gleichen Tarif wie die Bewohner und dürfen sich genauso wie sie aus der Vorratskammer ihre biologischen Nahrungsmittel holen und können vor Ort einige Zeit verbringen mit abnehmenden Preisen je nach Aufenthaltsdauer. Dies ist zum Beispiel der Fall einiger Gäste, die religiöse Retreats bei der Kommunität machen, vor Ort neue Energie tanken oder in schwierigen Lebenszeiten Hilfe suchen.

Die Außenbedingungen sind nun ungefähr beschrieben, so dass wir dasjenige wiedergeben können, das uns am meisten überzeugt hat, Pascal und mich, im Hinblick auf unserer Arbeit im Lenkungskreis für MagnyÉthique: die Notwendigkeit des gemeinsamen Ziels und des Zusammenhalts der Gruppe! Momentan besteht die Kommunität aus 6 Haushalten, das heißt aus 10 Erwachsenen und 9 Kindern. Drei Familien sind seit der Gründung Teil des Projekts, und selbst wenn das Leben für Abwechslung gesorgt hat, kann man schon von einer auf der gesamten Dauer relativ stabile Gruppe sprechen. Beständigkeit und Ausdauer des Projektes, die von vielen beneidenswert sind, und nach deren Gründen wir haben versucht zu forschen, um diese Lehre zu unseren Gunsten zu nutzen.

Das erste, was uns in dieser Hinsicht aufgefallen ist, ist das klare und starke gemeinsame Ziel, das die Gruppe zusammenbringt. Alle sind sehr gläubig, christlicher Konfession. So sind sowohl Katholiken als Protestanten in der Gruppe, die auch noch Orthodoxen, Anglikaner oder Kopten z.B. annehmen würde. Sie sind alle gläubig und leben ihren Glauben im Alltag und engagieren sich auch mit sozialen oder therapeutischen Berufen für mehr Gerechtigkeit und Solidarität in der Gesellschaft. Sie veranstalten Messen oder religiöse Feier, Camps für Jugendliche oder Familien mit ökumenischem Gottesdienst, damit alle gemeinsam ihren Glauben trotz ihrer Unterschiede erleben können. Dieses Hauptziel ist also das, was die Bewohner der Kommunität Beuggen bewegt.

Aber um dieses Ziel zu erreichen trotz aller Differenzen, die in einer Gruppe bestehen, haben die Mitglieder dieser Gruppe schnell die Überzeugung gehabt, dass sie sowohl an der Gruppe als auch an sich selbst arbeiten müssen, und dass beides eng miteinander verbunden ist. Daher gibt es verpflichtende und sehr regelmäßige und geführte Sitzungen (alle sechs bis acht Wochen), die dazu dienen, Spannungen auszudrücken und somit Konflikten vorzubeugen, die aus Unausgesprochenem entstehen können. Manchmal wählt die leitende Person ein Thema aus dem Bereich des gemeinsamen Lebens um die Diskussion zu führen, manchmal nicht. Zusätzlich bildet sich die Gruppe in gewaltfreier Kommunikation aus, hat an Enneagramm-Schulungen teilgenommen, usw. Es wird daher sehr darauf geachtet, dass Individuum und Gruppe gut zusammenspielen. Und es scheint, dass dies zur Langlebigkeit dieser Gruppe beigetragen hat.

Wir wussten selbstredend, dass der letzte Punkt grundlegend ist, aber die Bestätigung von Menschen zu erhalten, die es seit zwölf Jahren alltäglich erleben und die uns dazu ermutigen, das Zwischenmenschliche vor die Planung zu stellen, unterstreicht auch die Notwendigkeit, relevante vom Lenkungskreis vorgesehene Punkte zur Gruppenbildung vorzuziehen. Ein besonderes Dankeschön geht an all diejenigen, die uns in Beuggen empfangen haben und die unsere Fragen bereitwillig beantwortet haben, auch wenn sie manchmal aufdringlich und weitgreifend waren.

Étape 21 — Etappe 21

Lörrach — Beuggen: 27.6km
dont quelques-uns en Suisse (où Adriel a fait pipi sur des orties … si c’est interdit, nous présentons nos excuses à la Suisse qui a de belles pistes cyclables !) ; ensuite, arrivée à Beuggen où se tenait un marché artisanal de poterie relativement populaire dans le coin.
davon einige in der Schweiz (wo Adriel Pipi auf Brennnessel gemacht hat … falls es verboten ist, bitten wir die Schweiz — die übrigens schöne Radwege hat — vielmals um Entschuldigung.); anschließend, Ankunft in Beuggen, wo ein recht bekannter Töpfermarkt stattfand.

Gemeinschaft Layenhof

Von Samstag, den 30. März bis zum Dienstag, den 2. April

Ein paar Tage durften wir bei Clara, Michael und ihren zwei Töchtern in der Gemeinschaft Layenhof in Mainz verbringen. Da erkunden wir unsere erste Gemeinschaft. Das ist alles sehr spannend!

Die Gemeinschaft Layenhof wurde 1994 gegründet, mit dem Ideal eines multikulturellen, integrativen und intergenerationnellen Gemeinschaftslebens. Zwei große Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 32 Wohnungen, 3-,4- und 5-Zimmer Wohnungen von 60 bis 100 qm. Vier Wohnungen sind von einem Verein Haushalten mit Behinderung zu Verfügung gestellt, eine in jedem Haus.

So haben wir den Alltag ein paar Tage lang vor Ort erlebt: Die Kinder gehen nach draußen, wann sie wollen, gehen um die Ecke nach hinten auf den großen Spielplatz, wo sich viele Kinder treffen, frei spielen, schaukel, klettern… Die Erwachsene beobachten von Weitem, entweder beim Kochen oder in der Wohnung beschäftigt, oder beim Kaffeetrinken oder Essen und Plaudern auf der Grünfläche zwischen Häusern und Spielplatz. Denn sobald die Sonne rauskommt, kommen einige mit Salat und Auflauf, Kaffee und Kuchen, nach draußen und teilen sich das Essen. Es ist einfach so gemütlich! Genauso stellen wir uns zum Teil mit Pascal und den Kindern in Magny vor!

Nur: In den drei Tagen, wo wir da waren, haben wir von den 120 Personen eigentlich immer dieselben Gesichter zur Sicht bekommen und mit denselben 10 bis 12 Leuten gesprochen. Die Gespräche waren sehr offen und ehrlich, die Meinungen manchmal sehr unterschiedlich, was das Zuhören sehr spannend gemacht hat. Von mehreren haben wir gehört, dass die Gemeinschaft irgendwie eingeschlafen sei. Schade eigentlich. Einige Gründe dafür? Der Gemeinschaftsraum, im Keller, sieht aber nicht sehr einladend aus, ist eher zu klein für alle, und es gibt nur einen! Nur wenig Initiative für die ganze Gemeinschaft oder gemeinsame Aktivitäten (außer des Chors). Solange das Wetter nicht gut genug ist, heißt das also jeder bei sich! Natürlich haben sich kleine Gruppierungen gebildet, je nach Charakter und Interessen, so dass das Gemeinschaftsleben in kleineren Kreisen unter den Interessierten doch stattfindet. Aber was ist mit den anderen? Haben sie wirklich kein Interesse daran? Haben sie so schnell ihre Träume aufgegeben, dass sie sich schließlich lieber zurückziehen? Haben sie nur eine billige große Wohnung in netter Nachbarschaft gesucht, als sie da ankamen? Kann alles sein… Denn es wird für die Gemeinschaft nicht groß Werbung gemacht und seit einiger Zeit kommen neue Haushalte dazu, die nicht unbedingt das Gemeinschaftsgefühl suchen. Das große Ideal der Gründung hat sich verloren.

Es sieht so aus, als wäre der Konsens die beste Entscheidungsmöglichkeit bei so einer riesigen Gemeinschaft, denn sie nimmt schon viel Zeit in Anspruch, um dann auch noch jede Meinung und sogar Vetos zu berücksichtigen. Aber durch die Zwei-Drittel-Mehrheit fühlen sich einige nicht beachtet. Einige haben sich nicht genug willkommen gefühlt und sprechen von Machtspielen, die sie bedauern, haben deswegen keine große Lust, sich intensiver einzubringen.

Das Gemeinschaftliche ist also vielleicht nicht optimal und intensiv genug, vielleicht fehlt es auch an Einheit und alle ziehen nicht an demselben Strang. Trotzdem ist das Lebensgefühl positiv! Und es ist für Kinder eine große Chance, in so einem Umfeld großwerden zu dürfen!

Das kurze Eintauchen in das Leben am Layenhof bestätigt uns aber in mehreren Punkten:

  • Wir wünschen uns viele unterschiedliche Gemeinschaftsräume, davon mindestens einen, der groß genug für alle ist und auch einladend, möglichst zentral.
  • Wir hätten gerne eine nicht zu große Gruppe, damit die Inklusion von allen gelingen kann und die Gruppe einheitlich bleibt, selbst mit unterschiedlichen Sichtpunkten, damit jeder berücksichtigt werden kann.
  • Wir möchten unsere Arbeit bezüglich der Lenkung fortsetzen, unsere Entscheidungen weiter mit Konsent (vs Konsens) treffen.
  • Gut, dass das Schloss bald Eigentum unserer Gesellschaft ist!
  • Das Projekt wird nicht immer glatt laufen, aber was für eine Bereicherung! Für Kleinen besonders aber auch für Großen!

Auf jeden Fall fahren wir morgen reicher. Wunderbare Begegnungen mit herzlichen Menschen, viele Impulse für weitere Überlegungen…

4ème étape – 4. Etappe

Bingen – Mainz Layenhof = 24 km, 200 m de dénivelé à la fin (heureusement que nos bagages avaient été récupérés! Merci Michi!) / 24 Km, 200 Meter Steigung am Ende (zum Glück wurde unser Gepäck abgeholt! Danke Michi!)

Nous avons traversé une zone naturelle protégée magnifique, sommes arrivés dans l’après-midi à notre première pause en habitat participatif. / Erstmal sind wir durch ein wunderbares Naturschutzgebiet gefahren, eine sehr schöne Strecke, und sind am Nachmittag bei unserer ersten Pause in einer Gemeinschaft angekommen.

MagnyÉthique

Gut, mehrmals schon haben wir von unseren beiden großen Projekten des Jahres gesprochen. Das erste, „Transitionride“, soll in das zweite, das „MagnyÉthique“ heißt, münden. Für alle also, die uns nicht regelmäßig sehen und nicht wissen, worum es geht, ist eine kurze Erklärung nötig!

Gleichzeitig mit unserem Umschwingen ins „no waste“ passierte eine Einsicht ins Wohnmodell: Wir fanden es total absurd, zu fünft in einem 240m²-großen Haus zu wohnen – wenn dazu andere keins haben! -, in dem wir zumindest alle Räume ein wenig heizen (ökologisches Problem aber auch ökonomisches), aufräumen und putzen mussten. Die Einsamkeit war hier auch genauso riesig wie das Haus selbst, da wir wenige zufriedenstellende Kontakte hatten und keine Hilfe, damit ich wieder arbeiten konnte… Leider müssen heute noch Mütter in Deutschland so oft auf eine Arbeit verzichten, denn eine Betreuung zu bezahlen kostet fast genau so viel wie ein Einkommen. Kindergärten, die Kinder den ganzen Tag betreuen, wollen meistens einen Arbeitsvertrag sehen, aber um einen zu unterschreiben, musste ich sicher sein, dass meine Kinder betreut werden konnten… Deswegen spielen Großeltern hier noch eine so wichtige Rolle in den ersten Jahren der Kinder. Denn sie übernehmen sehr viel, wenn die Mutter sich für ihren Beruf entschieden hat, was eine persönliche Frage ist. Leider war unsere Familie aber weit weg. Und leider bin ich zu sehr Französin, um auf ein berufliches Leben zu verzichten, das ich dazu geliebt habe. Natürlich war das große Haus ein Vorteil, da wir genug Platz hatten, um Familie und Freunde empfangen zu können. Aber die begrenzten Vorteile waren nichts gegen die alltäglichen Nachteile.

Schon seit langer Zeit waren wir sehr ökologisch eingestellt. Auch wenn nicht immer sehr bewusst, sondern eher nach familiären Gewohnheiten, strebte unser Konsum nach Vernunft und Einfachheit, um einen so geringen ökologischen Fußabdruck wie möglich auf die Umwelt zu haben (nur bio und/oder lokal, das wir entweder auf dem Markt oder in Bio- und Hofläden besorgten, und immer mehr verpackungsfrei), und wir verbesserten unser Verhalten immer wieder, Schritt für Schritt. Im Winter 2015-2016 wurde ich als Autorin für eine Reihe Schulbücher engagiert, für welche ich unter anderem für das Thema Umweltschutz zuständig war. Na sowas! Zunächst kam die deutsche famose Mülltrennung in Frage, aber ich wollte mehr und suchte nach wahrem Material. So tauchte ich in Zeitungen, Blogs, Bücher, ins Handbuch „Der kleine Weltretter“ ein. Ich lernte die NABU kennen, kontaktierte auch die pädagogischen Büros von WWF-Deutschland und Greenpeace: Dies beschleunigte signifikativ unser Bewusstwerden und unsere Initiative… bis ich irgendwann für die Bearbeitung des Themas „Wohnen“ auf eine Kika-Sendung stieß, die ein Mehrgenerationenhaus vorstellte. Damit begann unsere Suche nach so einer Wohngemeinschaft. Ziel: unseren Überzeugungen folgen, sich umgeben, um der Einsamkeit ein Ende zu geben und unser tiefes Streben nach Solidarität eine Antwort zu schenken.

Wir suchten erstmal nach deutschen Gemeinschaften. Aber außer den großen historischen Gemeinschaften wie Sieben Linden oder Schloss Tempelhof war die Suche eher erfolglos, besonders weil wir eine Gemeinschaft finden wollten, bei derer Gründung wir aktiv teilnehmen könnten. Und das in unserer Nähe, wenn möglich. Unsere Suchmaschine, Lilo, dient dazu, Geld für alternative, ökologische und solidarische Projekte zu sammeln. Eine Suche = ein Tropfen = Geld. Dadurch bekamen wir ab und zu einen Artikel über einen Ökodorf oder von einer Plattform zu lesen, die solche Projekte auflistet. Nach unglücklichen Suchen in Deutschland kamen wir also dazu, Richtung Frankreich auf jener Plattform, La Fabrique des Colibris, zu suchen. Wir lasen alle durch und markierten diejenigen, die für uns in Frage kamen: weder vegan noch für Rohköstler oder Rentner, Familien willkommen, lieber auf dem Land als in der Stadt, und nicht weiter als 2 Stunden von der französischen Familie entfernt. Im Januar 2017 schickten wir Mails. Wir bekamen relativ schnell eine Antwort vom Projekt Les Fabriqués, in der Drôme. Erste Besichtigung – ohne Kinder – zu Ostern. Erstes Treffen mit Kindern im Juli. Wir waren dabei!

Bis heute ist viel passiert, unser Projekt heißt nicht mehr Les Fabriqués in der Drôme, sondern MagnyÉthique im Beaujolais vert, nord-westlich von Lyon. „Magny“ wie der Name des Schlosses, um den das Projekt stattfinden wird. „Éthique“ denn es geht darum, unsere Gruppenwerte ins Leben zu rufen.

Und wenn ihr neugierig geworden seid, könnt ihr unsere Seite besuchen, wo das Meiste auch auf Deutsch übersetzt ist und die wir nun vor 10 Tagen offiziell gestartet haben: http://magnyethique.org. Viel Spaß beim Entdecken!