Bei unserem
Aufenthalt auf dem Layenhof vor einer Woche hatten wir das Glück, Jan kennenzulernen,
der dort mit Elisa und ihrem gemeinsamen Sohn Jona im gleichen Haus wie Clara
und Michi lebt. Mit ihnen haben wir schöne Momente verbracht. Jan arbeitet seit der Gründung vor vier Jahren
als Gärtner für die Solawi Mainz e.V. Wir haben von ihm letzten Sonntag eine
private Führung bekommen, und so Einblick in das Konzept im Allgemeinen und in
das Projekt in Mainz im Besonderen erhalten.
Aber erstmal: Was ist Solawi? Das Akronym steht für solidarische Landwirtschaft. Jede Woche kriegen die Mitglieder des Vereins gegen einen monatlichen Betrag Obst und Gemüse, die lokal angebaut sind. Der Anteil dient also dazu, gute Produkte zu finanzieren, aber auch die Mittel und/oder Methoden ihrer Produktion, so dass die Landwirte in ihrer Arbeit und Leben unterstützt sind, indem sie mit regelmäßigen Einkommen rechnen können.
In den letzten
Jahren sprießen die Solawis in Deutschland, aber keine ist der anderen wirklich
gleich, denn Größen, Arbeitsweisen, Administration, Entscheidungsprozesse
werden lokal ausgewählt.
Nun aber einige Worte über Solawi Mainz. Der Verein wurde 2015 von 10 Parteien (1 Partei = 2 Erwachsene) gegründet, damals mit 1500 m² bewirtschaftetem Land. Heute sind schon vier Gärtner angestellt, die im Team mit einer Wochenarbeitszeit von je 26 Stunden für 117 Parteien arbeiten, um auf 3 Hektar Gemüse anzubauen. Davon werden nur 2.2 aktiv benutzt, der Rest wird mit Gründünger bepflanzt, um die Erde anzureichern. Eine unglaubliche Entwicklung, oder!?
Die Angestellten
arbeiten nur in der Woche, am Wochenende kommen dafür freiwillige Mitglieder,
die die von den Gärtnern in einem Heft detaillierten Aufgaben übernehmen, um die
Arbeit stetig weiterzuführen. Die Mitglieder haben auch die Verantwortung, sich
um die gleichmäßige Verteilung des in der Woche geernteten Gemüse zu kümmern. Diese
auf dem ersten Blick einfache Aufgabe fällt schließlich schwieriger aus und hat
ab und zu dazu geführt, dass am Ende der Verteilung einige Gemüsesorten knapp
waren. Da muss das Team also schon wieder sehr klare Ansagen machen, damit jeder
weiß, ob nach Gewicht, Größe oder Anzahl gemessen wird.
Ein besonderer Aspekt
in Mainz ist der Folgende: Der Verein ist gleich doppelt solidarisch, denn die
Angestellten erhalten nicht nur ein festes Monatsgehalt und die diversen Kosten
werden von den Beiträgen der Mitglieder getragen, sondern auch der Monatsbeitrag
ist unausgeglichen. Wie bitte? Damit sich möglichst viele Haushalte gutes Gemüse in Bioqualität leisten
können (das Biosiegel kostet an sich so viel Geld, dass es nicht beantragt
wurde), kann der Beitrag von jedem Mitglied selbst entschieden werden. Während
der Jahresvollversammlung wird eine Schätzung der Kosten des folgenden Jahres präsentiert.
Jedes Mitglied schreibt dann auf einen Zettel mit Namen den Beitrag, den er in
der Lage oder bereit ist zu zahlen. Diese Angabe ist bindend und wird
eingesammelt. Solange die Summe der
Beitragsvorschläge die geschätzten Kosten nicht deckt, wird der Vorgang
wiederholt. So kann ein finanziell schwacher Haushalt weniger Beitrag zahlen
als ein finanziell starker und doch von guten, lokalen und gesunden
Erzeugnissen profitieren. Wir fanden diese Vorgehensweise besonders positiv und
wollten es mit euch teilen. Fakt ist immer noch sehr oft, dass sich heutzutage nicht
jeder frische Bioprodukte leisten kann, was zur gesellschaftlichen Spaltung beiträgt.
Solche Initiativen, die doppelt solidarisch und gemeinschaftlich sind, müssen
mehr Gehör finden!
Seit gestern sind
wir in Weingarten, wo wir der Familie Gärtner (im Ernst!) beim Anbau von Gemüse
in hier ansässigen Solawi helfen werden. Anderer Ort, andere Arbeitsweise. Darüber
berichten wir nächste Woche!